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Und wir tanzen im Regen...

Autor: AnneMontanus | Datum: 23 März 2013, 09:48 | Kommentare deaktiviert

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Gerade, als ich beginnen wollte, den Wechsel von Jahreszeiten zu vermissen und euch um den beginnenden Frühling zu beneiden, gab es hier den ersten Regen. Um das Gefühl zu beschreiben, bediene ich mich des Liedes “Tanzen im Regen” von den Wise Guys. Also Youtube anschmeißen und Blogeintrag mit musikalischer Untermalung genießen:

 

Der Regen, der noch nicht begonnen hat, ich kann ihn jetzt schon beinah spüren“.

8.März, Internationaler Frauentag. Feier mit Reden und Marschieren. Erst ist es schwül, dann wird es auf einmal kühl und ein heftiger Wind beginnt. Inzwischen weiß auch ich, was das bedeutet: Es wird regnen.

 

Wochenlang nur dieses helle Blau, Hitze, Staub und Trockenheit.“

Seit Mitte November hat es nicht mehr geregnet. Vor allem der Staub hat sich tatsächlich überall festgesetzt, die Pflanzen am Straßenrand waren eher rot vom Staub als grün und das Wasser nach dem Waschen immer rot gefärbt.

 

Alle schau'n gebannt zum Himmel rauf, die Wende scheint bevor zu steh'n.“

Allerdings bleibt dafür niemand draußen. Die anderen flüchten ins Auto des Centre, nur Marie-Noël's Tricycle (ein Rollstuhl-Fahrrad mit Hand-Pedalen) passt nicht rein, also machen wir uns zu zweit schleunigst auf den Rückweg.

 

Plötzlich tun sich alle Schleusen auf, sowas hab ich noch nicht geseh'n.“

Wir kommen nicht weit, schon nach 2 Minuten beginnt der Regen. Und wenn es hier regnet, dann tröpfelt es nicht so ein bisschen, sondern es schüttet aus Eimern!

 

Und wir tanzen im Regen, die Arme in der Luft.

Nein, wir tanzen nicht, wir rennen bzw. rollen. Ich ziehe meine Ballerinas aus und wir rennen, rollen, rutschen so schnell es geht zum Haus einer Freundin, um uns unterzustellen. Die ist aber leider nicht da. Egal, jetzt sind wir eh schon nass. Eigentlich müsste ich auch nicht mehr laufen, aber Marie-Noël und ich sind so im Rausch, dass wir lachend durch die leere Straße laufen :-D

 

Langersehnter Duft von Regen auf Asphalt“

Diesen Duft gibt es hier nicht! Es gibt asphaltierte Straßen, aber nicht den typischen Regengeruch!

 

Alle Leute sind nach draussen gerannt, manche feiern Arm in Arm.“

Nein, alle Leute sind nach drinnen gerannt, Marie-Noël und ich sind die einzigen weit und breit. Aber wir feiern :-D

 

Der Regen ist vorbei, fast so schnell wie er begann, aber nichts ist wie es war.“

Das stimmt. Marie-Noël und ich sind zum Beispiel nicht mehr trocken. Aber immer noch am Lachen. Der Staub ist verschwunden. Die rote Erde klebt wieder an den Schuhen. Alles sieht irgendwie anders aus.

 

Langersehnte Regenzeit“

Nunja, das ist Ansichtssache. Für viele Menschen hier ist sie ganz sicher langersehnt, denn sobald der Regen anfängt, wächst es wieder auf den Feldern. Ich mag die Trockenzeit eigentlich lieber. Aber ich freue mich auf das Prasseln des Regens auf dem Dach. Ich freue mich darauf, dass die Wassertanks sich wieder von alleine füllen und wir nicht mehr zum Brunnen laufen müssen, wenn das Wasser für mehr als eine Woche abgestellt ist (und das kam in letzter Zeit häufiger vor. Die Brunnengänge mit allen lauffähigen Kindern machen zwar Spaß, weil wir am Brunnen immer herrlich herumalbern, aber für 22 Leute Wasser schleppen ist auch sehr anstrengend und braucht viel Zeit...). Und ich mag es, dass bei Regen plötzlich alles stillsteht. Man bleibt da, wo man gerade ist und kann sich darauf verlassen, dass man in der Zeit nichts verpasst, weil alle da bleiben, wo sie sind. Oft fällt bei starkem Regen auch noch der Strom aus und dann entstehen häufig die lustigsten Momente. :-)

 

 

 

 

Feiern Vol.2

Autor: AnneMontanus | Datum: 23 März 2013, 09:47 | Kommentare deaktiviert

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Ja, das Feiern ging weiter. Einen Monat ist die große Weihnachts- und Neujahrsfeier des Centre jetzt schon her. Warum die Feier erst Ende Februar stattfand? Weil es davor zu viele Feiern gab, wirklich wahr! :-D Wir haben trotzdem seit Anfang Januar täglich geprobt: Theater, Sprüche aufsagen, singen, tanzen, interpretieren,... Wie in Kamerun gefeiert wird, könnt ihr euch inzwischen hoffentlich schon etwas vorstellen. Deswegen möchte ich eher auf eine der wichtigsten „Zutaten“ zum Feiern eingehen: Musik!

Schon im alltäglichen Leben ist immer irgendwo Musik: Am Markt wird man aus 3 Lautsprechern gleichzeitig beschallt, in meiner Gemeinde gibt es 7 unterschiedliche Chöre, beim Gehen laut mit dem Handy Musik zu hören ist keinesfalls „assi“ und wenn gerade tatsächlich nirgendwo Musik zu hören ist, singt doch garantiert irgendjemand (eventuell auch ich ;-)) vor sich hin.

Bei unserer allerersten Feier mit den BewohnerInnen stellte sich die Musikwahl noch als kleines Problem dar: “Ai se eu tu Pego”, “WakaWaka”, Michael Jackson, “Barbie Girl” und einige 90er-Jahre-Hits erwiesen als die einzige Musik aus unserem grossen Festplattenrepertoire, die sowohl die Bewohner als auch Yonca und ich kannten, und so liefen diese Lieder 4 Stunden lang in Dauerschleife. ;-)

Wonach “entschieden” wird, welcher westliche Hit auch in Kamerun groß rauskommt, durchschaue ich nicht so ganz. Als ich in Kamerun ankam, war auch hier “ Ai se eu tu pego” der Superhit. Wenige Monate später gab es wohl in Deutschland ein koreanisches (?) Lied, das überall rauf und runter gespielt wurde, habe ich mir berichten lassen – ich habe es noch kein einziges Mal gehört! Stattdessen hat sich mein Festplattenrepertoire inzwischen um viel afrikanische Musik erweitert. Die wirklich großen Hits kommen meist aus Nigeria oder der Elfenbeinküste, aber jedes Land (für Kamerun kann ich hinzufügen: jede Region) hat auch seine ganz eigene Musik.

 

Bei der Weihnachtsfeier durfte Musik natürlich auch nicht fehlen. Dabei wurde keine Möglichkeit ausgelassen:

- Es wurde gesungen. Bei den meisten Liedern gibt es eine/n VorsängerIn, die anstimmt und die Strophen übernimmt, während der Chor dann den Refrain singt. So muss man sich nicht allzu viel Text merken, denn ich habe noch kein Textbuch entdeckt (oder gar mit Noten aufgeschriebene Lieder).

- Es wurde getanzt  - als ich das erste Mal “Ballet” auf einem Programmzettel las, war ich etwas überrascht von dem, was sich mir dann präsentierte: Es wurde so gar nicht ballet-mäßig ruhig getanzt, sondern es ging richtig ab. Tanzen scheint mir wie ein natürliches Talent überdurchschnittlich vieler Kameruner: Während ich noch unbeholfen hin- und herhopse und versuche mitzukommen, wissen alle anderen, “wie” dieser Rythmus getanzt wird.

- Es wurde “interpretiert”: Die Musik kommt vom Band und eine Person tut so, als würde sie singen. Anfangs konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen, das hat mich doch zu sehr an Kinderzimmer-Konzerte erinnert. Die Kameruner sind allerdings begeistert von Interpretationen.

Wenn eine Person besonders gut tanzt, wird ihr Geld an die Stirn gedrückt. In meiner zweiten Woche in Kamerun hatte ich davon allerdings noch keine Ahnung. Auf einer Beerdigungsfeier drückte mir jemand Geld in die Hand und alles, was ich verstand, war, dass ich zu der tanzenden Person hingehen und ihr das Geld geben sollte. Hilflos stand ich dann vor ihr, sie nahm meine Versuche, ihr das Geld in die Hand zu geben, nicht wahr. Bis mir schließlich unter viel Lachen geholfen wurde und ich in die Tradition des “Geld-an-die-Stirn-Klebens” eingeführt wurde.

 

Ein Jahr Kamerun verändert – auch die Musik, die ich höre. Falls ihr auch ein bisschen Kamerun-Feeling schnuppern wollt, empfehle ich euch meinen Soundtrack der letzten Wochen: “Chop my money “ (P-Square), “L'amour d'une mère” (Patience Dabany), “Boumtou-boumtou” , “Il viendra” und “J'ai envie de voir”. Das sind zur Zeit große Hits in Kamerun und auf alle Fälle hier im Centre, denn das sind die Lieder zu denen bei der Feier getanzt oder interpretiert wurde. Und sie spiegeln die Bandbreite der Musik hier wieder: nigerianische Sänger, französische Interpreten, traditionelle Lieder, religiöse Musik,...