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Und wir tanzen im Regen...

Autor: AnneMontanus | Datum: 23 März 2013, 09:48 | Kommentare deaktiviert

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Gerade, als ich beginnen wollte, den Wechsel von Jahreszeiten zu vermissen und euch um den beginnenden Frühling zu beneiden, gab es hier den ersten Regen. Um das Gefühl zu beschreiben, bediene ich mich des Liedes “Tanzen im Regen” von den Wise Guys. Also Youtube anschmeißen und Blogeintrag mit musikalischer Untermalung genießen:

 

Der Regen, der noch nicht begonnen hat, ich kann ihn jetzt schon beinah spüren“.

8.März, Internationaler Frauentag. Feier mit Reden und Marschieren. Erst ist es schwül, dann wird es auf einmal kühl und ein heftiger Wind beginnt. Inzwischen weiß auch ich, was das bedeutet: Es wird regnen.

 

Wochenlang nur dieses helle Blau, Hitze, Staub und Trockenheit.“

Seit Mitte November hat es nicht mehr geregnet. Vor allem der Staub hat sich tatsächlich überall festgesetzt, die Pflanzen am Straßenrand waren eher rot vom Staub als grün und das Wasser nach dem Waschen immer rot gefärbt.

 

Alle schau'n gebannt zum Himmel rauf, die Wende scheint bevor zu steh'n.“

Allerdings bleibt dafür niemand draußen. Die anderen flüchten ins Auto des Centre, nur Marie-Noël's Tricycle (ein Rollstuhl-Fahrrad mit Hand-Pedalen) passt nicht rein, also machen wir uns zu zweit schleunigst auf den Rückweg.

 

Plötzlich tun sich alle Schleusen auf, sowas hab ich noch nicht geseh'n.“

Wir kommen nicht weit, schon nach 2 Minuten beginnt der Regen. Und wenn es hier regnet, dann tröpfelt es nicht so ein bisschen, sondern es schüttet aus Eimern!

 

Und wir tanzen im Regen, die Arme in der Luft.

Nein, wir tanzen nicht, wir rennen bzw. rollen. Ich ziehe meine Ballerinas aus und wir rennen, rollen, rutschen so schnell es geht zum Haus einer Freundin, um uns unterzustellen. Die ist aber leider nicht da. Egal, jetzt sind wir eh schon nass. Eigentlich müsste ich auch nicht mehr laufen, aber Marie-Noël und ich sind so im Rausch, dass wir lachend durch die leere Straße laufen :-D

 

Langersehnter Duft von Regen auf Asphalt“

Diesen Duft gibt es hier nicht! Es gibt asphaltierte Straßen, aber nicht den typischen Regengeruch!

 

Alle Leute sind nach draussen gerannt, manche feiern Arm in Arm.“

Nein, alle Leute sind nach drinnen gerannt, Marie-Noël und ich sind die einzigen weit und breit. Aber wir feiern :-D

 

Der Regen ist vorbei, fast so schnell wie er begann, aber nichts ist wie es war.“

Das stimmt. Marie-Noël und ich sind zum Beispiel nicht mehr trocken. Aber immer noch am Lachen. Der Staub ist verschwunden. Die rote Erde klebt wieder an den Schuhen. Alles sieht irgendwie anders aus.

 

Langersehnte Regenzeit“

Nunja, das ist Ansichtssache. Für viele Menschen hier ist sie ganz sicher langersehnt, denn sobald der Regen anfängt, wächst es wieder auf den Feldern. Ich mag die Trockenzeit eigentlich lieber. Aber ich freue mich auf das Prasseln des Regens auf dem Dach. Ich freue mich darauf, dass die Wassertanks sich wieder von alleine füllen und wir nicht mehr zum Brunnen laufen müssen, wenn das Wasser für mehr als eine Woche abgestellt ist (und das kam in letzter Zeit häufiger vor. Die Brunnengänge mit allen lauffähigen Kindern machen zwar Spaß, weil wir am Brunnen immer herrlich herumalbern, aber für 22 Leute Wasser schleppen ist auch sehr anstrengend und braucht viel Zeit...). Und ich mag es, dass bei Regen plötzlich alles stillsteht. Man bleibt da, wo man gerade ist und kann sich darauf verlassen, dass man in der Zeit nichts verpasst, weil alle da bleiben, wo sie sind. Oft fällt bei starkem Regen auch noch der Strom aus und dann entstehen häufig die lustigsten Momente. :-)

 

 

 

 

Feiern Vol.2

Autor: AnneMontanus | Datum: 23 März 2013, 09:47 | Kommentare deaktiviert

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Ja, das Feiern ging weiter. Einen Monat ist die große Weihnachts- und Neujahrsfeier des Centre jetzt schon her. Warum die Feier erst Ende Februar stattfand? Weil es davor zu viele Feiern gab, wirklich wahr! :-D Wir haben trotzdem seit Anfang Januar täglich geprobt: Theater, Sprüche aufsagen, singen, tanzen, interpretieren,... Wie in Kamerun gefeiert wird, könnt ihr euch inzwischen hoffentlich schon etwas vorstellen. Deswegen möchte ich eher auf eine der wichtigsten „Zutaten“ zum Feiern eingehen: Musik!

Schon im alltäglichen Leben ist immer irgendwo Musik: Am Markt wird man aus 3 Lautsprechern gleichzeitig beschallt, in meiner Gemeinde gibt es 7 unterschiedliche Chöre, beim Gehen laut mit dem Handy Musik zu hören ist keinesfalls „assi“ und wenn gerade tatsächlich nirgendwo Musik zu hören ist, singt doch garantiert irgendjemand (eventuell auch ich ;-)) vor sich hin.

Bei unserer allerersten Feier mit den BewohnerInnen stellte sich die Musikwahl noch als kleines Problem dar: “Ai se eu tu Pego”, “WakaWaka”, Michael Jackson, “Barbie Girl” und einige 90er-Jahre-Hits erwiesen als die einzige Musik aus unserem grossen Festplattenrepertoire, die sowohl die Bewohner als auch Yonca und ich kannten, und so liefen diese Lieder 4 Stunden lang in Dauerschleife. ;-)

Wonach “entschieden” wird, welcher westliche Hit auch in Kamerun groß rauskommt, durchschaue ich nicht so ganz. Als ich in Kamerun ankam, war auch hier “ Ai se eu tu pego” der Superhit. Wenige Monate später gab es wohl in Deutschland ein koreanisches (?) Lied, das überall rauf und runter gespielt wurde, habe ich mir berichten lassen – ich habe es noch kein einziges Mal gehört! Stattdessen hat sich mein Festplattenrepertoire inzwischen um viel afrikanische Musik erweitert. Die wirklich großen Hits kommen meist aus Nigeria oder der Elfenbeinküste, aber jedes Land (für Kamerun kann ich hinzufügen: jede Region) hat auch seine ganz eigene Musik.

 

Bei der Weihnachtsfeier durfte Musik natürlich auch nicht fehlen. Dabei wurde keine Möglichkeit ausgelassen:

- Es wurde gesungen. Bei den meisten Liedern gibt es eine/n VorsängerIn, die anstimmt und die Strophen übernimmt, während der Chor dann den Refrain singt. So muss man sich nicht allzu viel Text merken, denn ich habe noch kein Textbuch entdeckt (oder gar mit Noten aufgeschriebene Lieder).

- Es wurde getanzt  - als ich das erste Mal “Ballet” auf einem Programmzettel las, war ich etwas überrascht von dem, was sich mir dann präsentierte: Es wurde so gar nicht ballet-mäßig ruhig getanzt, sondern es ging richtig ab. Tanzen scheint mir wie ein natürliches Talent überdurchschnittlich vieler Kameruner: Während ich noch unbeholfen hin- und herhopse und versuche mitzukommen, wissen alle anderen, “wie” dieser Rythmus getanzt wird.

- Es wurde “interpretiert”: Die Musik kommt vom Band und eine Person tut so, als würde sie singen. Anfangs konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen, das hat mich doch zu sehr an Kinderzimmer-Konzerte erinnert. Die Kameruner sind allerdings begeistert von Interpretationen.

Wenn eine Person besonders gut tanzt, wird ihr Geld an die Stirn gedrückt. In meiner zweiten Woche in Kamerun hatte ich davon allerdings noch keine Ahnung. Auf einer Beerdigungsfeier drückte mir jemand Geld in die Hand und alles, was ich verstand, war, dass ich zu der tanzenden Person hingehen und ihr das Geld geben sollte. Hilflos stand ich dann vor ihr, sie nahm meine Versuche, ihr das Geld in die Hand zu geben, nicht wahr. Bis mir schließlich unter viel Lachen geholfen wurde und ich in die Tradition des “Geld-an-die-Stirn-Klebens” eingeführt wurde.

 

Ein Jahr Kamerun verändert – auch die Musik, die ich höre. Falls ihr auch ein bisschen Kamerun-Feeling schnuppern wollt, empfehle ich euch meinen Soundtrack der letzten Wochen: “Chop my money “ (P-Square), “L'amour d'une mère” (Patience Dabany), “Boumtou-boumtou” , “Il viendra” und “J'ai envie de voir”. Das sind zur Zeit große Hits in Kamerun und auf alle Fälle hier im Centre, denn das sind die Lieder zu denen bei der Feier getanzt oder interpretiert wurde. Und sie spiegeln die Bandbreite der Musik hier wieder: nigerianische Sänger, französische Interpreten, traditionelle Lieder, religiöse Musik,...

 

 

Feier-Tage

Autor: AnneMontanus | Datum: 16 Februar 2013, 12:07 | Kommentare deaktiviert

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Feiern geht hier eigentlich immer – und wie! Der Beweis dafür kam spätestens letztes Wochenende: 4 Feiern in 2 Tagen!

 

#1: Los ging es am Sonntag: eine (etwas verspätete ;-)) Weihnachtsfeier mit den Bewohnern. Dazu haben wir eins der besten europäischen Essen (Schoko :-D) mit einem der besten kamerunischen Essen (Früchte) kombiniert: superleckeres Schokofondue! Und Yonca's Vater hatte Weihnachtsmützen für alle Bewohner geschickt. Dass es schon Mitte Februar ist, störte dabei niemanden und mit den vielen Weihnachtsmützen um mich herum habe ich mich fast weihnachtlicher gefühlt als an Weihnachten selbst ;-) Und es dauerte nicht lange, bis die Hintergrundmusik lauter gestellt wurde, die Tische zur Seite geschoben noch eine spontane Party drangehängt wurde. Tanzen geht einfach immer, da sind auch ein Rollstuhl oder Krücken kein Hindernis ;-)

 

#2: Abends dann das Finale des Afrika-Cups 2013. Burkina Faso gegen Nigeria. Obwohl Kamerun sich noch nicht mal qualifiziert hatte, herrschte schon die letzten Wochen Fußball-Feststimmung. Da Kamerun ja leider nicht dabei war, waren zumindest immer die anderen frankophonen Länder meine Favoriten. Damit bin ich auch recht gut durchgekommen, unter anderem in einem superspannenden Halbfinale Burkina Faso – Ghana, aus dem Burkina Faso nach Elfmeterschießen als Sieger hervorging. Das beste an dem Spiel war aber eigentlich die Stimmung: Wegen Stromausfalls saßen wir alle in der Küche um meinen Weltempfänger und haben das Spiel bei Radio France International verfolgt – und nach jedem Elfmeter gerätselt, ob er jetzt drin war oder nicht, weil sich die Reporter irgendwie nie so klar ausgedrückt haben :-D. Im Finale hat dann leider doch Nigeria gewonnen, aber trotzdem war es ein sehr lustiger Abend!

 

#3: Am Montag dann ein wirklich offizieller Feiertag: „Fête de la Jeunesse“ in Kamerun. Der offizielle Teil fand an der Festtribüne statt: Unter den Augen der „hohen Leute“ von Baham auf der Tribüne sind alle Kinder und Jugendlichen marschiert. Von der Ecole Maternelle (Kindergarten) bis zu den Berufsschulen. Bei den kleinen Kindergartenkindern war es ein heilloses Chaos – in Reihen marschieren, dazu singen und so viel drumherum zu sehen, das ist für dreijährige Kinder einfach etwas viel. Bei den Grundschülern hingegen nahmen es einige sehr ernst, da gingen die Hände bei jedem Schritt hoch in den Himmel und es wurde wirklich marschiert. Das fand ich ziemlich befremdlich und teilweise beklemmend, Kinder so militärisch marschieren zu sehen. Für alle hier war es aber vollkommen normal – und sehr merkwürdig, als ich erzählt habe, dass ich in meinem 19jährigen Leben noch nie marschiert bin.

Das hat sich dann auch an diesem 11.Februar geändert: Das Centre war natürlich auch dabei. Da das aber mit Rollstühlen nicht so einfach ist, mussten wir nicht wirklich marschieren, sondern sind nur in Reihen an der Tribüne vorbeigelaufen. Ich war froh, als wir durch waren und uns danach ins Gewimmel stürzen konnten: Überall waren Stände mit Keksen, Eis, Bonbons, Brot, Joghurt,... - es hat mich etwas an Kirmes erinnert :-).

 

#4: Zurück zuhause haben wir mit den Bewohnern weitergefeiert. Erst wieder mit Musik, tanzen und spielen (unser Salon war ganz leergeräumt, für die Tage war das der Lieblingsspielplatz der Kinder ;-)) und abends Kino: Ice Age 3. Ich hatte gedacht, einen animierten Film versteht man überall, da fallen Kulturunterschiede nicht ins Gewicht. Aber an manchen Stellen hat man gemerkt, dass er doch sehr westlich ausgerichtet ist, mit Witzen, die die Bewohner nicht verstehen konnten, weil sie zum Beispiel sowas wie Schallplatten einfach nicht kennen.

 

Abends bin ich müde ins Bett gefallen und habe danach die All-Tage genossen. Mit dem Feiern ist es allerdings nie vorbei: Gestern Abend kam das Wasser wieder, was erstmal für viel Freude (nicht mehr zum Brunnen laufen!) und dann für viel Arbeit (Wäschewaschen aufholen) sorgte ;-). Und nächste Woche ist die große offizielle Neujahrsfeier hier im Centre, für die schon seit einigen Wochen täglich geprobt wird – mehr dazu beim nächsten Mal!

 

E no easy – mais ca va aller!

Autor: AnneMontanus | Datum: 19 Januar 2013, 14:38 | Kommentare deaktiviert

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Ihr Lieben,

Etwas verspaetet wuensche ich euch ein frohes neues Jahr ! Einer meiner Vorsaetze : Mehr Blog schreiben ;-) Meine Mutter hat nachgerechnet, mehr als 3  Monate seit meinem letzten Blogeintrag. Nicht, dass ich nichts zu erzaehlen haette, ganz im Gegenteil, ich finde oft einfach nicht die Zeit dazu. Die Chance, Euch so an meinen ersten Eindruecken und Erfahrungen teilhaben zu lassen, habe ich so leider verpasst. Inzwischen ist vieles fuer mich schon Alltag, Normalitaet geworden (was es allerdings nicht weniger spannend macht). Ich verlebe gerade 3 volle und erfuellte Wochen im Centre, bevor ich in einer Woche schon wieder nach Kribi zu meinem Zwischenseminar fahre. Danach melde ich mich wieder persoenlich bei Euch. Bis dahin wuensche ich euch viel Spass mit einem Bericht von Lukas, der mich fuer 3 Wochen besucht hat und ein bisschen ueber seine ersten Eindruecke von Kamerun und dem Centre berichtet :


Ich habe heute die Ehre, sozusagen als Gastautor meinen Teil zu diesem Blog beizutragen. Ich bin Lukas, Annes Freund, und habe sie über Weihnachten und Silvester für drei Wochen in Kamerun besucht. Irritierenderweise schreibe ich diese Worte nun im verschneiten Maastricht. Mal sehen, wann ich wirklich realisieren werde, dass ich wieder im kalten Europa gelandet bin – es ist schon verrückt, wie man innerhalb von 24 bzw. 48 Stunden komplett die Welt wechseln kann. Mein Aufenthalt in Kamerun war nicht meine erste Afrikaerfahrung; 2010-2011 habe ich bereits meinen Zivildienst im westafrikanischen Togo absolviert. Nicht alles war daher für mich neu, trotzdem bin ich ein außenstehender Beobachter und ich hoffe, ihr habt Spaß an meinem Bericht. Wer über Afrika schreibt trägt Verantwortung für die Botschaft die er weiterträgt und das Bild das er (mit-)prägt. Über Afrika zu schreiben ist nicht einfach – e no easy. Aber es wird schon gehen – ca va aller!
Als musikalische Untermalung zur Lektüre möchte ich P-Square empfehlen, um ein bisschen in die Stimmung zu kommen. Ihr findet sie natürlich bei youtube.
Aus „technischen Gründen“ hatte mein Flug von Brüssel nach Addis Abeba, Äthiopien, so viel Verspätung, dass ich dort meinen Anschlussflug verpasste. So etwas kann natürlich passieren. Abgesehen davon, dass alle ihre Flüge über Addis gehen (schaut euch das mal auf der Karte an!), ist Ethiopian Airlines aber leider auch nicht besonders stark in ihrem Service. Gemeinsam mit einem viel-fluchenden Kameruner aus Paris und zwei Dutzend Chinesen, die kein Wort Englisch oder Französisch verstanden, strandeten wir also in Addis am Flughafen. Uns wurden die Pässe abgenommen um ein Hotel für die Nacht zu organisieren. Danach wurde uns Frühstück serviert und dann wurden wir für sechs Stunden nicht mehr informiert… Schließlich wurden wir doch ins Hotel transportiert, der kurze Blick auf Addis Abeba war viel versprechend. Ein Land mit völlig eigener Sprache und Schrift, das nie kolonisiert war und in angenehmem Klima in den Bergen gelegen ist, ist bestimmt einen ausführlicheren Besuch wert. Unter diesen Umständen war es allerdings äußerst unangenehm, „so nah“ und doch so unendlich fern (abgebrochenen Handyempfang inklusive) von Anne zu sein. Nach anstrengenden 48 Stunden kamen wir schließlich doch in Douala an und dass dann einer meiner Koffer nicht angekommen war (er tauchte einige Tage später wieder auf) konnte mich weder überraschen noch schrecken. Nach fast vier Monaten war ich endlich wieder mit Anne zusammen!
Am folgenden Tag fuhren wir mit Annes Chef, Zacharie, und dessen Frau MaDe mit dem Auto mit Zwischenstopps in einem Blindenzentrum in Douala, auf einer Palmölfarm, nach einer Reifenpanne nach Baham. Schon nach Einbruch der Dunkelheit kamen wir an und wurden überschwänglich willkommen geheißen. Ich war überfordert, so viele Menschen auf einmal kennen zu lernen und nach den letzten Wochen in Maastricht, die sehr stressig waren, ins völlige Nichtstun zu stürzen brachte mich auch erst einmal ins Stolpern. In den folgenden Tagen lernte ich aber die „Bewohner“ schnell kennen und hatte viel Spaß mit ihnen. Das Leben mit Behinderung in Kamerun ist nicht einfach und auch im Centre gibt es natürlich Schwierigkeiten – e no easy. Aber die Kinder und Jugendlichen dort meistern den Alltag in einer Weise die mich sehr beeindruckt hat. Sie übernehmen Aufgaben und Verantwortung, die in Deutschland unvorstellbar wären und auch wenn das nicht immer ideal ist, ermöglicht ihnen das doch eine deutlich aktivere Teilhabe am allgemeinen Leben. Einige von den Jungs genossen es sehr, einen Mann im Centre zu haben. Das ist allerdings auch das einzige, was Anne und Yonca nicht leisten können. Anne hat ein wundervolles Projekt, viel Arbeit, viel Gestaltungsfreiraum, wunderbare Kinder und Jugendliche mit denen sie arbeitet,  aber auch als Freunde und die beiden leisten dort wichtige Arbeit mit unglaublichem Engagement und großer Energie und Geduld. Ich genoss meine Zeit im Centre sehr, Fußball spielend, feiernd oder einfach nur mit den Bewohnern spaßend und UNO spielend. Es war gut, zu sehen wie Anne dort lebt und arbeitet und die Menschen kennen zu lernen, mit denen sie so viel Zeit verbringt.
Weihnachten ist wie kein anderes Fest verbunden mit Traditionen und Ritualen. Obwohl für uns in diesem Jahr alles anders war, konnten wir uns die wichtigsten Teile unserer Traditionen bewahren. Da Weihnachten überall außer in Deutschland am 25.12. gefeiert wird, hatten wir den 24. „für uns“. Zu zweit und sehr gemütlich lasen wir die Weihnachtsgeschichte, machten ausführliche Bescherung (die Hälfte meines Gepäcks bestand aus Geschenken) – und tatsächlich kam sogar ein wenig Weihnachtsstimmung auf. Am folgenden Tag waren wir bei Zacharie und seiner Familie eingeladen.
Es gab viel zu Essen, wir saßen lange zusammen oder „rum“ und es gab sogar einen Weihnachtsbaum. Also alles wie es sein muss. Nur dass der Plastikweihnachtsbaum immerfort Weihnachtslieder im Stil von Handyklingeltönen spielte und fröhlich von anderer Weihnachtsmusik übertönt wurde.
Zum Reisen in Kamerun braucht man vor allem viel Geduld. Sobald man sich aber gesagt hat, dass die Hälfte des Tages mit der Fahrt im Reisebus… und die andere Hälfte mit Warten gefüllt sein wird, sobald man sich gegenseitig seufzend, resignierend Mut zugesprochen hat („Du courage!“ – „Ca va aller.“), sobald man also seine völlige Machtlosigkeit akzeptiert hat, ist das Reisen sehr schön. Man kann die sich verändernde, phänomenale Landschaft genießen, an jedem Zwischenstopp neue Leckereien kaufen und probieren, schlafen, Musik hören und sich stundenlang unterhalten – und alles völlig entspannt und ohne Zeitdruck im Nacken. Würden die Deutschen sich in dieser Weise (absolute Resignation) auf eine Bahnfahrt vorbereiten, ginge es allen besser: keine Meckerer mehr, wenn der Zug fünf Minuten Verspätung hat und deutlich mehr lächelnde Reisende, kein Stress und weniger Burn-outs.
Ob man auf dem Motorradtaxi das Gefühl der Freiheit genießt, sich im überfüllten PKW zwischen drei dicke Mamas quetscht oder im Bus nur ergeben seufzt, wenn während der Fahrt die Ladeklappen aufgehen und das Gepäck herauspurzelt, Reisen ist einfach schön! Und mal unter uns; wenn wir uns im dauergestressten Deutschland ausnahmsweise erlauben, eine Bahnfahrt zu genießen, ist Reisen auch hierzulande ziemlich entspannend und einfach genial.
Eine weitere angenehme Eigenheit vom Reisen ist natürlich das Ankommen an unbekannten, neuen, aufregenden Orten. Drei Tage verbrachten Anne und ich in Yaoundé, Kameruns Hauptstadt. Wie in vielen westafrikanischen Ländern ist die Hauptstadt nicht identisch mit der wirtschaftlich stärksten und größten Stadt. Im Falle Kameruns ist das Douala, das ich als sehr stickig, heiß, laut und hektisch empfunden habe. Yaoundé dagegen ist erstaunlich sauber und wird gerade in weiten Teilen modernisiert, der Verkehr und die Menschen scheinen einen Ticken langsamer zu gehen und es finden sich sogar Parks und Grünflächen, wo man sie am wenigsten vermuten würde. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, wohnten wir in einem Hotel in Bastos, Yaoundés Diplomaten- und Reichenviertel. Ein Besuch im Supermarkt und Pizza zum Abendessen bescherten Anne einen gehörigen Kulturschock. Es ist erstaunlich, was es für Brüche in einem Land gibt; können die Kinder im Centre sich überhaupt vorstellen, dass es Konsumtempel, wie sie sie nur aus dem Fernsehen kennen, in ihrem eigenen Land gibt? Beruhigend zu wissen, dass sie sie nicht zum glücklich-sein benötigen zu scheinen. Das öffnet auch uns Perspektiven, auch wenn es hier im krassen Gegensatz nicht einfach ist, sich dem ständigen Materialismus und Konsum zu entziehen.
Im muslimischen Viertel von Yaoundé strömten Tausende Männer aus allen Richtungen auf die große Moschee zum Freitagsgebet – und nach einer halben Stunde war alles wieder wie vorher.
Wir zogen über Märkte, ich kaufte Schuhe aus China (die auch in Kamerun keinen guten Ruf genießen: „Ca vient de la Chine? Ca se gate vite!“ – Produkte aus China gehen schnell kaputt) und bewegte mich vom Spaß am Verhandeln schnell zur kompletten Reizüberflutung. E no easy…
Über Silvester bestiegen wir für drei Tage den Mount Cameroun, mit 4095 Metern Westafrikas höchster Berg und im englisch-sprachigen Teil Kameruns gelegen. Unsere Führer und Gepäckträger gehörten von einer Organisation die Ökotourismus – teilweise von Transfair mitfinanziert – durchführt. Einige der Träger waren früher Jäger, denen nun im neu geschaffenen Nationalpark neue Arbeitsgelegenheiten ermöglicht werden. Am ersten Tag wanderten wir sechs Stunden durch Urwald und Steppe und zelteten schließlich auf 2860 Metern in Zelten. Am nächsten Morgen brachen wir bereits um fünf Uhr auf und erreichten gegen neun Uhr nach einigem Klettern und Wandern durch Lavagestein und –staub den Gipfel. Auf dem Weg nach oben schien nach jedem erreichten Gipfel noch ein weiterer zu kommen und entsprechend konnten wir von ganz oben nicht mehr die Stadt am Fuße des Berges sehen. Trotzdem wurden wir fortwährend von beeindruckenden Ausblicken und Landschaften wie von anderen Planeten belohnt. Der lange Abstieg führte uns an Vulkankratern von 1998 vorbei, durch schwarze Staub- und Steinwüsten, über felsige Lavaströme und endlose Savanne. Wir übernachteten an der Waldgrenze an einer Quelle, um am nächsten Tag den Rest des Abstieges zu wagen. Dieser zweite Tag brachte uns beide nach vier Stunden Bergsteigen und weiteren sieben Stunden Abstieg an unsere Grenze. Nachdem wir den gröbsten Dreck an der Quelle abwaschen konnten und eine Menge Spaghetti verzehrt hatten, schliefen wir sofort ein. Pflichtbewusst weckten wir uns um Mitternacht, wünschten uns ein gutes neues Jahr und schliefen weiter. Auch Silvester mal ganz anders.
Für uns beide war es der erste Wander/Klettertrip diesen Ausmaßes aber wir bewältigten ihn nicht nur gut (nur ein paar Blasen an den Füßen) sondern genossen die atemberaubende Landschaft und das Miteinander. Außerdem wurden wir immer wieder von unserem Führer mitfühlend ermutigt: „E no easy…“

Der Urlaub war so schön und entspannend, ins kalte, stressige Europa zurück geworfen zu werden fällt da nicht leicht. Aber ich werd´s schon packen. Und wenn man mal ehrlich ist, haben wir´s hier ja auch ganz schön. Mit Schnee und Zügen, die pünktlich abfahren, zum Beispiel.E no easy… mais ca va aller.

 

 

Am 8. Tag...

Autor: AnneMontanus | Datum: 15 Oktober 2012, 15:27 | Kommentare deaktiviert

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ist Markt hier in Baham. Alle acht Tage, weil die traditionelle Woche hier 8 Tage hat. Und dann ist – zumindest gefühlt – ganz Baham unterwegs. In der Kirche sind an Markttagen deutlich weniger Leute. Auf den Straßen sieht man viele, die ihre gekauften Waren auf dem Kopf oder dem Moto transportieren. Und für mich ist der Markttag bisher jedes Mal ein Highlight meiner Woche. Man kann zwar auch an den restlichen Tagen das meiste in Boutiquen und Ständen kaufen, aber das bunte Treiben an Markttagen unterscheidet sich doch sehr von so einem „normalen“ Tag.

Nach der Arbeit mache ich mich mit Marie-Claire, Viviane und Marie-Noel, drei der älteren Bewohnerinnen, auf den Weg zum Markt. Ca. 20 Minuten Fußweg mit einem Rollstuhl und einem Tricycle (ein Dreirad-Rollstuhl, den man durch „fahrradfahren“ mit den Händen bewegt), die 2 Berge hoch geschoben werden müssen – das ist schon Sport ;-)

Sobald wir das Carrefour (den zentralen Platz hier in Baham) erreichen, sprintet der Taximann los. „Bafoussam, Bafoussam?“ ruft er mir zu. Ne, heute nicht, ich bleibe hier. Gemeinsam mit den Bewohnern mache ich mich auf den Weg durch die kleinen Marktgassen – mit den Rollstuehlen teilweise eine grosse Herausforderung. Um mich herum wird alles durcheinander angeboten: Maniok, Bananen, Flipflops, Kartoffeln, Secondhand-Kleidung, Schmuck, Piment (ein Gewürz), Sim-Karten für's Handy, Mausefallen, Orangen, Schulhefte,... - viel zu viel, um es alles auf einmal zu sehen, ich entdecke immer noch jedes Mal etwas Neues! Die Waren liegen auf niedrigen Bambustischen oder auf Matten auf der Erde.

Immer wieder höre ich „la blanche“-Rufe – „die Weiße“. Oft von Kindern, die mir dann fröhlich „Bonsoir“ zurufen und winken. Auch Menschen, die ich noch nie gesehen haben, fragen mich wie selbstverständlich, wie es mir geht und heißen mich in Baham willkommen. Und ich höre die „La Blanche“-Rufe von vielen Seiten von Verkäufern, die mir ihre Zwiebeln, Schuhe oder Fische anbieten wollen. Ich versuche, jedes Mal freundlich zu antworten. Nein danke, ich brauche heute keine Zwiebeln.

Die Bananen sehen dann aber doch zu verlockend aus. Mindestens 30 kleine Bananen, noch an der Staude. Ich frage bei Viviane nach, wieviel die wohl kosten. Ich möchte ja nicht den doppelten Preis bezahlen. Und auch nicht auf zu wenig runterhandeln, denn das meiste hat hier einen „festen“ Preis, der sich allerdings nach verschiedenen Faktoren (Saison, Angebot, Qualität, …) ständig ändert. Wie MaDe von allem den aktuellen Preis wissen kann, ist immer noch ein Rätsel für mich. Aber inzwischen fällt es mir auch schon deutlich leichter, Preise ungefähr einzuschätzen. Ich begrüße also die Frau, die die Bananen verkauft. Sie freut sich über meine 5 Worte Baham, die ich anbringe, und verkauft mir die Bananen ohne Verhandeln fuer 250 Francs (knapp 40 Cents), ein richtig guter Preis.

Oft muss man allerdings auch etwas härter verhandeln. Dabei hilft es ungemein, wenn man durchblicken lässt, dass man den wahren Preis kennt...

Als wir uns auf den Rückweg machen, begegnen wir nach wenigen Metern Raoul, Amadou, Edy, Lionel und Ange, andere Centre-Bewohner. Also drehen wir um und stürzen uns mit ihnen erneut ins Getümmel.  Nach weiteren Einkäufen, einem abgelehnten Heiratsantrag und einem Friseurbesuch (nicht für mich) machen wir uns, inzwischen in einer großen Gruppe von Centre-Bewohnern, auf den Heimweg. Und ich rechne schonmal: 8 Tage... Ich freue mich auf Donnerstag!

 

(Wie ihr seht, wartet dieser Eintrag schon einige Tage auf euch, Donnerstag ist schon bald, ich hab‘s nur vorher nicht ans Internet geschafft ;-))

 

 

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